Die Nachnutzung der Trasse von 1983 bis heute

1983 - 1988: Es passierte recht wenig

An jenen Stellen, wo die Bahntrasse am meisten störte, bzw. dort wo die Bahneinrichtungen Strassen behinderten, wurden die Gleise zuerst abgebaut :

· Im Bersbucher Wald wurde am 22. Oktober 1984 begonnen, die Trasse zugunsten der Strasse zu entfernen. Dies war übrigens genau ein Tag nach der Landtagswahl in Vorarlberg und ganz sicher nicht zufällig

· in Schwarzenberg, Egg, Bregenz und Kennelbach wurden die Bahnübergange mit den Schranken entfernt.

Bahnübergang in Egg ca. 1984: Die „Schanze“ über die Gleise wurde ausgeebnet

Danach passierte jahrelang wenig. An der restlichen Strecke traute sich zuerst niemand hand an zu legen und so fand eine ziemliche Verwahrlosung der Einrichtungen statt.

 

Bahnhofsrestauration Vorderwald 1983 : die Bahneinrichtungen verwahrlosten nach und nach. Foto stammt von Jakob Bobleter.

Der Bahnhof Lingenau/Hittisau war ja schon 1978 abgerissen worden. Die alte Stationstafel wurde mittels drei Steher aufgestellt und stand so noch Jahre. Das Foto stammt von Michael Cremanns aus dem Jahr 1988.

 

Noch Jahrelang standen auf dem Bahnhof in Egg und Doren-Sulzberg leere, eingeschlossene Güterwaggons.

Eingeschlossene Waggons in Egg ca. 1982. Bild aus der Sammlung Peter Balmer.

 

Im Jahre 1985 wurde der Verein Bregenzerwald – Museumsbahn gegründet. Dieser kümmerte sich von da an um die verbliebene, noch vollkommen intakte Strecke zwischen Bersbuch und Bezau und verhinderte so einen weiteren Verfall.  Dabei hatte der Museumsverein Pech: An der gesamten Strecke zwischen Bregenz und Egg  war in den letzten Betriebsjahren noch der Oberbau erneuert worden, nur ausgerechnet nicht zwischen Schwarzenberg und Bezau. Dort mussten dann durch den Museumsverein viele Schwellen getauscht werden.

 


1988 - 1997: Abtragung der Gleise

Ausser im Bersbucher Wald (1984) wurden bis 1988 keine Gleise abgebaut. Erst 1988 wurde im Achtal mit der Abtragung begonnen. Die ersten Gleise wurden zwischen Weissachbrücke und Langenegg entfernt. 1989 wurden die Gleise durch Andelsbuch entfernt, 1992 die Gleise zwischen Egg und Andelsbuch, um einen Radweg daraus zu machen.

Die letzten Gleise im Achtal wurden erst in den 1990er Jahren entfernt. Teilweise wurden die Gleise auch an den Museumsverein verschenkt, der sie dafür abbauen musste. Die Gleise konnte der Museumsverein dann verkaufen.

Gleisabbruch auf der Strecke zwischen Doren-Sulzberg und Rotachtunnel 1997. Quelle BWB Museumsverein

Im Achtal wurde die Strecke im gesamten Verlauf gesperrt, ein Betreten war verboten bzw. auf eigene Gefahr. Und sie blieb es für Jahre.

 

Abstransport von Geleisen in Kennelbach : noch auf Schwellen montierte Geleise aus dem Achtal werden abtransportiert. Foto stammt aus dem Archiv des Museumsvereins.

 

Ein Bild aus dem Jahr 1989. Es zeigt einen kleinen Streckenabschnitt zwischen dem Riedentunnel und der Haltestelle Rieden. Die Gleisanlagen waren noch komplett vorhanden.

Ganz langsam erst wurden die Gleisanlagen abgerissen oder verfielen.

In Kennelbach hatte die Firma Bug Alu Technik einen Teil der Fläche, auf der einst die Gleisanlagen waren, gekauft und verbaut. Der Bahnhof Kennelbach blieb aber erhalten. Vor dem Riedentunnel wurde der Anfahrtsdamm entfernt, der Tunnel wurde für Fußgänger ausgebaut.

Schild im Bahnhof Bezau 1983. Quelle Archiv des BWB Museumsvereins

 


1992: Nutzung der Trasse als Radweg

1992 begann man zwischen Egg und Andelsbuch mit einer Nachnutzung der Trasse. Dort wurde ein wunderschöner Radweg angelegt, der aufgrund der Trasse eine sehr geringe und für Radler angenehme Steigung aufweist.

Ehemalige Bahntrasse zwischen Egg und Andelsbuch

Zwischen den Bahnhöfen Langenegg–Krumbach und Doren-Sulzberg tummelten sich bald immer mehr Moutainbikefahrer. Die Schönheit der Trasse im Achtal wurde den Leuten immer bewusster. So wurden auf diesem Abschnitt die Strecke mit feinem Kies aufgefüllt, da auf dem Bahnschotter ein Radfahren oder laufen kaum möglich war. Zu dieser Zeit konnte man an sich fast problemlos mit dem Mountainbike von Kennelbach bis Egg fahren.

Ehemalige Bahntrasse zwischen Doren und Weissachbrücke

 


2000: Abriss des Bahnhofes Egg

Im Jahr 2000 wurde das Impulszentrum Egg errichtet, dem der Bahnhof in Egg weichen musste. Allerdings behaupte ich, dass der Bahnhof eine bessere Figur machte, als das Gebäude des Impulszentrums.

Zeitungsausschnitt aus den Vorarlberger Nachrichten im Winter 1999/2000

Der Bahnhof Egg wurde also tatsächlich erst 20 Jahre(!) nach der Einstellung der Bahn abgerissen. Das Impulszentrum die einzige Stelle auf der Trasse zwischen Kennelbach und Bersbucher Wald, die in den letzten 30 Jahren überbaut wurde. Auf der Trasse besteht ab Kennelbach generell ein Bauverbot.

An der Stelle des Bahnhofes Egg steht heute das Impulszentrum Bregenzerwald

 


2004: Abriss des Bahnhofes Langenegg/Krumbach, Bahnhof Doren-Sulzberg bekommt ein neues Dach

Der Bahnhof Langengg-Krumbach wurde im Frühjahr 2005 abgerissen, nachdem das Dach eingestürzt war. Er stand also noch 25 Jahre, nachdem der letzte Zug vorbeigekommen war....

Der desolate Bahnhof Langenegg-Krumbach im Herbst 2004. Kurze Zeit später wurde er abgerissen.

Mit dem Bahnhof Doren-Sulzberg hatte jemand Mitleid: Er erhielt 2004 ein neues Dach, womit derzeit ein weiterer Verfall zumindest verschoben ist.

Der Bahnhof Doren – Sulzberg 2008 mit einem guten Dach

 

Noch im Jahr 2003 lagen zwischen Lingenau und Egg viele Schwellen. Sie wurden alle ca. 2007 entfernt. die Stelle oben ist in etwa bei km 21,3, könnte aber auch bei km 22 sein. Ein Foto von Michael Cremanns.

 


2007: Öffnung der Trasse zwischen Egg und Lingenau

2007 wurde begonnen, auch den Abschnitt zwischen Lingenau-Hittisau und Egg zugänglich zu machen. Die Absperrungen wurden entfernt, auch hier wurde der Bahnschotter aufgefüllt und fest gewalzt. Nun war es möglich, mit dem Mountainbike von Egg bis zum Bahnhof Doren-Sulzberg (ca. 11 km) zu fahren. Mutige konnten sich auch bis Kennelbach durchschlagen.

Frisch gewalzter Kies auf dem Egger Viadukt 2008

 


2010 - 2014: Sanierung der Bahntrasse und Ausbau als richtiger Radweg

Im Jahr 2010 gab es das erste mal Informationen darüber, das die Bahntrasse zwischen Egg und Doren saniert und zu einem Radweg ausgebaut werden sollte. Die Bahntrasse sollte ein Teil des grenzüberschreitenden Radweges werden.

Der Naturpark Nagelfluhkette vereint Gemeinden aus dem Südlichen Allgäu mit Gemeinden des vorderen Bregenzerwaldes. Es ist der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Österreich und Deutschland und wurde 2003 gegründet. Ein Ziel dieser Institution ist es, den Tourismus in der Region zu entwickeln.

Die ehemalige Bahnstrecke wurde ab 2012 auf dem Abschnitt Egg-Doren/Sulzberg saniert mit dem Ziel, die alte Bahntrasse mit dem Radnetz im angrenzenden Allgäu zu verbinden.

Informationen zum Ausbau gibt es hier (Link zuletzt im Sept. 2014 geprüft):

http://www.regiobregenzerwald.at/achtalweg.html

Die gemeinsamen Ziele

  • Zugang zum Naherholungsraum an der Bregenzerach mittel- und langfristig
    ermöglichen = Beitrag zur Lebensqualität
  • bestehende Bahntrasse als kulturgeschichtliches Element/als Chance erhalten
  • Besonderheiten in Natur und Landschaft berücksichtigen/erlebbar machen
    zusätzliche Möglichkeiten für sanften Tourismus schaffen
  • rücksichtsvoller Umgang mit der Natur in Planung, Bauphase und Betrieb.
  • Sensible Bauausführung als fixer Projektbestandteil, z.B. ökologische
    Bauaufsicht, weitestgehende Nutzung bestehender Anlagen, Kiesfahrbahn

Gesamtroute Radrundweg Nagelfluhkette:
Oberstaufen – Alpsee – Immenstadt – Blaichach – Bolsterlang – Obermaiselstein – Rohrmoos– Sibratsgfäll – Hittisau – Lingenau – Egg – Doren– Sulzberg Thal – Weiler - Simmerberg – Oberstaufen

Was wurde nun gemacht:

  • Sanierung der berg- und flussseitigen Stützmauern
  • Instandsetzung von bestehenden Durchlässen
  • Sicherung von Uferböschungen
  • Viadukt in Egg-Tuppen wurde saniert
  • Subersachbrücke zwischen Egg und Lingenau wurde saniert
  • Weißachbrücke zwischen Langenegg und Doren wurde saniert
  • Errichtung und Erneuerung von Steinschlagsicherungen
  • Errichtung von Absturzsicherungen bzw. Geländern
  • Stahlgeländer aus Steher + Stahlnetz, Höhe von 1,20 m gesetzlich vorgeschrieben
  • Die Ausführung erfolgte als wassergebundene, bekieste Fahrbahnoberfläche

 


2014: Impressionen des Radweges

Diese Stelle befindet sich bei km 17,8. Die Bahnbauen wurden alle saniert.

 

Die Brücken wurden alle gerichtet.

 

Mir gefällt es. In diese Kurve, die früher oft vom Hochwasser beschädigt worden war, wurden in der Ache große Wellenbrecher angebracht.

 

Es wurde ausgeholzt, alles ist jetzt sauber und übersichtlich.

 

Das ist eine der schönsten Stellen im Achtal. Diese Kurven waren schon zur Zeiten der Bahn eine der schönsten Stellen.

 

Mauern und Brücken saniert, die Absturzsicherung achseitig wird gerade erstellt.

 

Die Weissachbrücke ist eine Augenweide. Komplett renoviert so toll wie am ersten Tag.

 

Nach oben

© 2009-2017 Thomas Hammerer
Krumbach / Bregenzerwald
Letzte Änderungen siehe Bereich HISTORIE
Email senden

Besucher seit 15. September 2009 :
Counter